Der Klassiker: Mensch ärgere Dich nicht

Eigentlich ist es ein traditionelles Spiel aus dem indischen Raum und heißt Pachisi. Aber irgendwann hatte sich Josef Friedrich Schmidt, seines Zeichens Gründer von dem (alten) Schmidt Spiele mit minimalen Regeländerungen eine Spielvariante ausgedacht, die er Mensch ärgere Dich nicht nannte. Das war etwa 1910. Und seitdem ist Mensch ärgere Dich nicht über Jahrzehnte als Familienspiel aus fast keinem Haushalt wegzudenken gewesen.

Pachisi

Das Original: Pachisi aus dem indischen Raum

Mensch ärgere Dich nicht hat das Familienspiel über lange Zeit dominiert und inspiriert. Würfel- und Laufspiele waren vor hundert Jahren keine Seltenheit und haben sich bis zum Ende des 20. Jahrhunderts als Familienspiel gehalten. Da ist auch der Klassiker Mensch ärgere Dich nicht keine Ausnahme. Würfeln, ziehen, schlagen und gewinnen. Und dabei noch eine ganz große Portion Häme und Ärger über die Mitspieler ausschütten. Der Titel war Programm. Mensch ärgere Dich nicht war kein Familienspiel, bei dem alle Spaß hatten. Jeder spielte es zwar gerne, aber als Geschlagener zurück zum Start zu müssen war allen Spielern, ob jungen Kinder oder spielenden Omas zuwider. Bei diesem Familienspiel stehen Frust und Freude eng beieinander. Das ist vielleicht einer der Gründe, warum es in den besten Familien vorkam, dass der ständig herausgeworfene Spieler mal eben mit einem Handstreich das ganze Brett abräumte …

Als Familienspiel ist Mensch ärgere Dich nicht im eigentlichen Sinne eine Katastrophe. Warum hat es so lange überlebt? Ganz ehrlich: Lange Zeit gab es kaum bessere Spiele. Mühle, Dame, Halma, Mikado, das Gänsespiel. Das war es fast schon. Dann irgendwann Monopoly und Malefiz. Richtig ernsthafte Familienspiele kamen erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts auf. Und so ist das simple Würfeln, Ziehen und Setzen eben ein Zeitvertreib für die ganze Familie. Anspruchslos, also leicht verständlich, aber gut genug, um den Sonntagnachmittag herumzubekommen. Der Sieger konnte sagen, er war gut, die anderen konnten es auf Würfelpech schieben.

Das moderne Familienspiel kann viel mehr. Es kann unterhalten und dennoch muss niemand ständig um seine Figuren fürchten. Es ist bei aller Leichtigkeit aber auch anspruchsvoller geworden. Indes wird Mensch ärgere Dich nicht immer noch gut verkauft. Und zwar nicht nur von Senioren im Wohnstift, sondern auch von jungen Familien. Vielleicht deshalb, weil dieses Familienspiel zum Inbegriff des Brettspiels geworden ist. Und zum Wegbereiter für viele andere Brettspiele auf dem Weg in das Kinderzimmer und auf den Spieltisch der Familien. Nicht umsonst hat die Deutsche Post dem Spiel zum 100-jährigen Jubiläum eine eigene Briefmarke gewidmet. Irgendetwas ist eben dran an diesem Brettspiel für die ganze Familie, das unzählige Hausregeln kennt.

Obwohl Mensch ärgere Dich nicht heute kein besonders innovatives Spiel mehr ist, hat es doch einen gewissen Einstiegsfaktor. Noch immer ist es das Familienspiel, das bei vielen Kindern praktisch ein Lernspiel für Spiele darstellt. Spielend lernen können Kinder aber auch mit Lernspielzeug. Anders als beim Spielen kommt hier dem Faktor des “Begreifens” eine Hauptrolle zu. Das schult unter anderem die motorische Fähigkeitem. Besonders gut ist natürlich Motorikspielzeug geeignet. Anders als bei Mensch ärgere dich nicht ist dieses Lernspielezug dann mehr als ein Einstieg in das Brettspiel und in die Fähigkeit, verlieren zu können.

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